Ist doch mal ein anderer Titel als «Neue Drucksachen»! Dabei geht es genau darum: Neue Drucksachen habe ich vorgestern von der Druckerei bekommen, Plakate und Flyer für eine Tagung:
«Ästhetik des Opfers»: Kein einfaches Thema. Es geht übrigens – auf Deutsch ist das Wort ja auch noch so schön doppelsinnig – nicht um Menschen, die Opfer von Gewalt, Krieg etc. werden (victima), sondern um religiöse Opferrituale (sacrificia). Wie visualisiert man das möglichst allgemein, d.h. ohne konkrete Anspielungen auf einzelne Kulturkreise? Das Opferlamm flog raus, Opferschalen und -altäre auch, Kreuze sowieso, auch Hünengräber und Dolmen.
Was aber könnte universaler sein als Blut? Als konkretes Zeichen wie auch als kraftvolle Metapher vermag der Blutfleck eine Menge von «Konkretheitsstufen» abzudecken – und seine Reihung deutet auf die Institutionalisierung, die Repetitivität, die Ritualhaftigkeit des Opferritus hin.
Alles klar? Spass gemacht hats vor allem. Nicht nur das konzeptionelle Hirnen (inkl. Recherche in der Unibibliothek), sondern vor allem auch die Umsetzung (notabene grösstenteils im Zustand akuter Grippe und Bronchitis). Fotografiert habe ich das Motiv nämlich selber, Blut auf Marmor, ich meine: Randensaft auf Balkontisch.
Wenn Stunden keine Rolle mehr spielen, sondern nur das Glücksgefühl, im 1000-Einheiten-Raster, in dem jeder Buchstabe steht, genau die richtige Position für einen Punkt gefunden zu haben, und wenn dabei Buchstaben herauskommen, denen man nicht ansieht, wie schwer es war, jeden Punkt dahin zu bekommen, wo er hin muss, sondern die einfach «stehen» –
Typedesign ist grossartig. (Auch solange die Punkte noch am falschen Ort sind.)
Immer wieder ein heisses Feld: Können wir Text angenehm lesen, wenn er sich bewegt? Oder andersherum: Wie muss sich Text bewegen, damit er lesbar bleibt? Text und Animation: Eine Hassliebe oder «nur» eine Art moderner Gordischer Knoten?
Ich gebe gleich zu: Ich liebe Typografie, ich habe Multimediadesign studiert, aber ich bin kein grosser Fan von «Type in Motion». Meistens ist mir dabei zuviel New-Media-Hype im Spiel und zuwenig Beschäftigung damit (und/oder Interesse dafür), wie wir eigentlich lesen, was Text ist, wie er aufgenommen wird («ein weites Feld» in der Tat!). Darüber könnte man natürlich ganze Bücher schreiben, was ich hier jetzt nicht tue, sondern als hoffentlich interessante Anregung auf zwei Beispiele hinweise – für mich ein Pro- und ein Antibeispiel.
Eines meiner Lieblingsbeispiele für animierten Text ist der YouTube-Trailer zu einem Buch (an sich schon interessant: Videowerbung für Bücher), «Dinge geregelt kriegen» von Kathrin Passig und Sascha Lobo (Regie: Marko Thorhauer, Motion Design: Aslan Malik, Agentur: iRead Media).
Ich bin Nina. Sehsüchtig, manchmal auch sonst ein bisschen verrückt; selbständig als Multimedia-Designerin und Grafikerin, in und aus Basel, spezialisiert auf die Umsetzung und Inszenierung von Inhalten aus dem Kultur- und dem Bildungsbereich.
Ich liebe gute Typographie. Zeichen, Formen, Flächen, Konturen, Farben, Kontraste, Kompositionen; und schlechte Umsetzungen irritieren mich manchmal zutiefst. ... Weiterlesen »