Hab kürzlich den Fehler (?) gemacht, mir den Schriftzug vom Coop Spalemärt genauer anzuschauen.
Vorher war das für mich einfach der Spalemärt, ein schöner grosser Coop mit schöner grosser Auswahl und vor allem mit passabene. Von jetzt an ist es leidergottes der Spalemärt mit den komischen Buchstaben. Im Ernst: Was ist da los? Da passt ja eigentlich gar nichts zusammen. Wenn man schon sowas anfängt wie die Rundungen an A oder M (schauder), wie erklärt sich dann das S? Das L? Und wie ist dem Gestalter beim P der Pinsel ausgerutscht (was sich dann im R auf noch schauderlichere Weise fortsetzt)?
Vermutlich, und das find ich immer so spannend an sowas, wurde das mal für sehr modern, eigenwillig und merk-würdig im besten Sinne gehalten. Oder wird es immer noch. Und merkwürdig ist es ja durchaus. Ein bisschen schriftnostalgisch werd ich anhand der Ä-Pünktchen: Die erinnern mich aus irgendeinem Grund an die fette Schrift mit den viel zu kleinen i-Pünktchen, die aus der Kuhle des i herauszukullern drohten (war das die Gill Sans Ultra Bold?), mit der noch zu Zeiten des alten Coop-Logos (das ich immer als «Colo-o» las) die ganzen Artikel angeschrieben waren. Diese i-Pünktchen haben mich schon als Kind irgendwie verstört («warum haben die so komische Buchstaben?»).
Die Welt wäre langweiliger ohne merk-würdige Schriftgestaltung. Also mir zumindest.





Ja, Himmel… ich bin nicht der einzige, der sich über solche Dinge Gedanken macht – wunderbar! Ja, vor allem die gute alte Coop-Schrift (die Gilles Sans Ultra Bold tatsächlich sehr ähnelt) – 1970er- und 1980er-Jahre in Reinkultur. Ich nannte sie einfach immer “Bünzlischrift”. Und tönen tat das so: http://blog.jacomet.ch/?p=549
Oh, danke, welch ein Flashback
Anhand des schönen YouTube-Links in Deinen Kommentaren muss ich sagen, es war wohl tatsächlich nicht die Gill. Oder zumindest eine besondere (gequetschte) Variante davon … das i würde passen, aber der Rest nicht so recht. Hm.
Asso du bisch wüki blööd! Jetzt kann ich niiie mehr dort einkaufen gehen, ohne dass es mich gruust. Obwohl, nachdem ich die Typo-Apokalypse im Flughafen Leonardo da Vinci(!) in Rom überlebt habe, müsste ich eigentlich beide Augen zudrücken können.
Ah, du warst wirklich in den Ferien! Hab mich schon über deine verwaiste virtuelle Kochstelle gewundert. Aber wieso willst du überhaupt in der Stadt einkaufen? Binninge isch in!, waisch.
Typo-Apokalypse? Immer her mit den Fötis. Ich bin typomasochistisch veranlagt.
Die Schrift ist die »Gerstner Original Bold Italic«, eine ursprünglich für den Fotosatz von Karl Gerstner aus dem Jahre 1987 gezeichnete Schrift.
Die gelben Ü-Pünktchen wurden nachträglich eingesetzt, da es in diesem Zeichensatz kein versales Ü, Ä oder Ö mit Pünktchen gibt, sondern nur eine eigenwillige Ligatur. (siehe hier: http://www.bertholdtypes.com/bq_library/90012.html)
Gruß Wolfgang
Oh Wahnsinn, die kann man kaufen! Danke für den Tipp – ich war davon ausgegangen, das sei ein eigens gezeichnetes Logo.
Die Bold Italic ist echt heftig – auch die Ziffern! Aber die Ae-Ligatur ist echt die Krönung. Sehr 80er Jahre, das Ganze.
Kennst Du zufällig noch mehr Anwendungsbeispiele von der Schrift?