Erik Spiekermann stellt in diesem Vortrag (scrollen zu Spiekermann, Video öffnen, spulen auf 00:54) Erschreckendes zur aktuellen Generation von Computerheftchenlesern fest: Die Leute können keine Serifen mehr lesen. Anlässlich des Redesigns von «PC Professionell» erzählt er,
We’ve given them a second typeface, so now it’s actually very conservative, it’s all in serif type. Which, in this business, is like: „Oh my God!“, and they said: „Can people read this?“ – I said, „What do you mean? We’ve been reading books for 500 years in serif type, hello!?“
Oh, and then the readers write in and say, „Oh, you know, those type with the little things on them, that’s illegible.“ So, there’s a generation of people that’s been brought up on Helvetica and Frutiger, who think Minion is illegible. I mean, how bad has the world got.
Ich darf verkünden: Der Backlash ist schon wieder da. Jugendliche wollen Serifen. Und sie schreiben das auf Plakate. Sie protestieren öffentlich gegen Frutiger und serifenlose «l»s. Die Serifenrevolution steht wohl kurz bevor.
Ich finds unfassbar cool und spannend, dass Buchstabenformen per Krakelgraffiti auf Werbeplakaten öffentlich diskutiert werden. Wow.
«Hommage an Böcklin». Doch, ehrlich! Das muss in die Geschichte eingehen als die absolut harmlos-dümmlichste Umsetzung eines furchteinflössenden Meisterwerkes (das ich mir, lang ists her, als Postkarte auf meine Maturlektüren-Ausgabe von Camus’ «La Peste» geklebt habe). Irgendwie ist das so grauenvoll respektlos, dass es schon fast wieder gut ist. Aber nur fast.
Obwohl mir die Arbeit im Moment dermassen bis über sämtliche Ohren steht, dass ich kaum dazu komme, diesen Blog hier wahrzunehmen (sorry!), habe ich gestern spontan am «Type Battle» auf Typophile teilgenommen. Oder genau deswegen: Es ging nämlich um defiance. Herausforderung, Missachtung, Trotz. To remain defiant: nicht aufgeben. Yeah.
1. Draw the letters in the word ‘defiant’ where the stem width is 1/2 the x-height.
2. Extra points for creating an fi ligature.
Winner take all, no holds barred. May the best designer win.
Irgendwie schein ich im Moment eine Serifenbetonten-Fixierung zu haben, jedenfalls ist es wieder einmal eine Slab geworden, in Minuskeln und Small Caps.
Bestes Product Placement ever. Passt aber auch irgendwie echt gut, oder?
Wers noch nicht gesehen hat: David Katz’ Fotoreportage von der Wahlnacht hinter den Kulissen ist überhaupt ganz grossartig. Wann nimmt man Politiker schon mal als echte, ehrliche und irgendwo liebenswerte Menschen wahr?
Emoticons sollen eine Erfindung des Internetzeitalters sein? Von wegen. Brian Cronin von Comic Book Resources hat diese aus typographischem Material zusammengebastelten Smilies in einem 127 Jahre (!) alten «Puck Magazine» entdeckt:
Recht haben sie, die Setzer, mit ihrem Trotz! Das Satzmaterial erlaubt es ja zumindest theoretisch, viel mehr damit zusammenzusetzen als bloss Texte. Erinnert mich ein bisschen daran, dass ich als Kind die mechanische Schreibmaschine meiner Mutter liebte, weil ich damit ganz viele Männchen «zeichnen» konnte (aus einem o, einem O und einem “ – was hier nicht geht, mangels Halbzeilenschaltung).
WordPress hat eine Umfrage gestartet im Stile von: Wen würdet Ihr wählen. Das Resultat: glänzende 69 Prozent für Obama.
Muss man daraus unbedingt schliessen, dass Blogger / Onlinemenschen im Schnitt liberaler als Nichtblogger / Offlinemenschen sind? Hm. Erstens dürften Parallelen zum hohen Anteil Obamas am «Youth Vote» ins Spiel kommen. Zweitens: Auf jeden Fall ist Obama ein Internetphänomen* (ähnlich wie ja Ron Paul während der Primaries online gefeiert und gepusht wurde, in realen Zahlen aber keine Chance hatte). Und dann, drittens, natürlich: Der internationale Effekt, schliesslich hätte, wenn man z.B. die Europäer gefragt hätte, McCain höchstens ein Sugus als Trostpreis bekommen. Eine hochgradig zweifel-, aber durchaus schmeichelhafte Antwort schlägt ein Kommentator bei WordPress vor:
Just shows the average WordPress blogger is brighter than the average citizen.
Soviel dazu. Streichen wir uns das ins Gesicht und geniessen den Tag!
Schade ist, wenn man im laufenden System den Titel aktualisiert, während der Text noch alt ist und auf dem Bild der Falsche jubelt. Glücklich ist, wer weiss, was nun ausschlaggebend ist!
Die New York Times empfiehlt, ab 19 Uhr EST mit Popcorn vor dem Fernseher zu sitzen. Da es hier dann quasi schon morgen ist und ich unmöglich bis dann Popcorn essen kann, hier – sozusagen auf den letzten Drücker vor der grossen Entscheidung – ein kleiner Einblick in die teils wirklich beeindruckende Grafik, die ein Wahlkampf in den U. S. of A. mit sich bringen kann. (Man stelle sich so etwas Hochkarätiges hier vor. Aber eben – man stelle sich so etwas Hochkarätiges wie Obama hier vor.)
Ich fange an, über Details nachzudenken, die gerade bei einer Schrift so viel ausmachen, was den Charakter angeht. Am Samstag habe ich – ausgehend vom Grundmodell, das basically daraus bestand, Serifen an die bestehenden Formen anzukleben – folgende Varianten entwickelt (nis war zu meinen journalistischen Zeiten jeweils mein Kürzel, übrigens):
… das ist alles ursprünglich in ca. 6cm Versalhöhe mit Bleistift und Tusche auf Transparentpapier gezeichnet, dann kopiert und zusammengeklebt (und danach wieder kopiert in verschiedene Grössen – seit Jahren nicht mehr so viel mit Fotokopierern zu tun gehabt!).
Im Moment geht es um die Findung der allgemeinen Formensprache. Das sind noch lange keine Reinzeichnungen, also wurschtlige Kurven wie beim zweituntersten s sowie schiefe Klebungen bitte ignorieren. Ich würde gerne wissen, was Ihr denkt, liebe Leser und Innen. Nicht im Hinblick darauf, dass ich dann das Mehrheitsfähigste weiterverfolge, denn einen Favoriten habe ich schon; aber es würde mich wundernehmen, was wie wirkt. Vielleicht entsteht ja eine kleine Diskussion?
Ich bin Nina. Sehsüchtig, manchmal auch sonst ein bisschen verrückt; (teilzeit-) selbständige Multimedia-Designerin und Grafikerin in und aus Basel, spezialisiert auf die Umsetzung und Inszenierung von Inhalten aus dem Kultur- und dem Bildungsbereich.
Ich liebe gute Typographie. Zeichen, Formen, Flächen, Konturen, Farben, Kontraste, Kompositionen; und schlechte Umsetzungen irritieren mich manchmal zutiefst. ... Weiterlesen »