visuell fixiert in basel

Das Positive sehen

In meinung on 10. Dezember 2008 at 11:52
Wir unterbrechen das gewohnte Programm aufgrund eines aktuellen Meinungsloswerdungsdranges. Es folgt ein völlig subjektiver Kommentar zum politischen Tagesgeschehen, mache ich selten, aber jetzt schon.
gruslig

gruslig? trötzelig.

So schnodderig habe ich noch niemanden die Hand nach dem Amtseid wieder fallen lassen sehen. Nein, glücklich sah er nicht aus, Ueli der Kn… pardon: Maurer, und ein besonders rühmliches Resultat ist es ja auch nicht, mit just dem absoluten Mehr gewählt zu werden – und mit einer Stimme Vorsprung vor einem Nichtkandidaten, der bereits vor der Wahl unmissverständlich klar gemacht hatte, dass er gar nicht zur Verfügung stehe.

Unumgänglich war Maurers Wahl wohl: Aber wie ein Wunschkandidat wird er sich in diesem Moment bestimmt nicht gefühlt haben. Und selbst ein trotziger Gesichtsausdruck wollte ihm nicht so recht gelingen, eigentlich schien er vor allem genervt. Da ging zwar nicht ein Plan total daneben, aber seine Inszenierung war reichlich bemüht: Dem Rückkehr der «Zürcher» SVP in den Bundesrat fehlten völlig die Pauken und Trompeten, die einst in grauer Vorzeit (schon fast ein Jahr ist’s her) ihr demonstratives Bekenntnis zur «Opposition» hatte.

Die Opposition. Ein lustiges Konzept in einer Konkordanzdemokratie; eines, das allerdings zum Stil der Zürcher SVP gar nicht so schlecht gepasst hat. Denn wer opponiert, darf den ganzen Tag trötzeln und besserwissen, wie er lustig ist, und kann ja auch die Spielverderber unter den Parteimitgliedern (zum Beispiel die, die lieber mitarbeiten wollen als trötzeln), aus den Fraktionssitzungen ausschliessen und wahlweise als Verräter(in) des Volkswillens (letzteren gibts nämlich bei der SVP löffelweise zum Zmorge) oder auch gleich für «klinisch tot» erklären.

Letzteres notabene ein Zitat von jemandem, der jetzt Bundesrat ist. Wie auch die ultratransparente aufmerksamkeitsheischende Pseudoprovokation mit den «Negern» oder auch das mit den Frauen, die «comme dans la nature» ins Haus gehören zu den Kindern. Der aber, wird er ähnlich angegangen, nicht mehr kommunikationsbereit ist und die weniger populären Äusserungen (wie das mit den Frauen daheim) dann einfach nie gesagt hat (bloss schade, dass es im Fernsehen kam).

Ist es wirklich vorstellbar, dass so jemand in einer Konkordanzregierung konstruktiv mitwirkt?

Und deswegen steht da oben «positiv denken». Denn eigentlich ist das gar nicht so schlecht: Die Zürcher SVP wollte unbedingt zurück in den Bundesrat. Jetzt ist sie drin. Das bedeutet: Sie ist keine Oppositionspartei mehr; Herr Maurer muss mitbauen am Gebäude Schweiz. Der Bonus des endlosen Sichprofilierenkönnens als Oppositions- und Besserwisser-Partei entfällt ab sofort. Entweder, denke ich, läuft die neue Regierungsteilnahme von Herrn Maurer, dieser Zweitgalionsfigur des giftigeren Flügels der SVP, auf eine Entradikalisierung, eine Demokratisierung, eine Ent-Trötzel-isierung der verbleibenden SVP-Hardliner heraus, auf ihre aufrichtige Teilnahme an unserem politischen System und auf ihr Mittragen dieses Systems, und das wäre ja zu begrüssen. Oder aber, Herr Maurer und seine Streitgenossen trötzeln weiter, versuchen im Bundesrat Parteipolitik zu betreiben, lassen noch ein paar so hässliche und inkorrekte Äusserungen fallen. Dann verlieren sie vielleicht noch ein paar ihrer Mitglieder an die BDP.

Und für den Fall wissen wir ja jetzt auch, wie man Bundesräte wieder abwählt.

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  1. ausgezeichnet formuliert. geniale (real-) satire. “meinungsloswerdungsdrang” muss ich mir merken. für extremfälle dieser gattung gibt es tele-hilfen. siehe bespiel “teleblocher”.

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