visuell fixiert in basel

Ich kaufe ein A.

In input on 9. Oktober 2008 at 22:35

Gott, hab ich immer gern … was war das nochmal, jedenfalls diese Sendung geschaut, wo ein Spruch aufgedeckt werden musste, die Konsonanten konnte man sich am Glücksrad erdrehen und Vokale musste man kaufen. Das ist aber Urzeiten her, ich weiss nicht mal, obs das noch gibt, geschweige denn, wie es hiess.

Vielleicht möchte jemand von Euch ja auch mal im echten Leben ein A kaufen. So ein A kann nämlich wahnsinnig praktisch sein, zum Beispiel so:

Und wer sich immer schon gefragt hat, wo er denn so ein A herkriegen könnte, dem wird offenbar hier geholfen:

Wenn jemand einen Dealer für ein N kennt, bitte bescheidsagen. Bei Ikea, wo mein A her ist, gabs noch M, X und O. Glaub ich. Aber auch das ist Urzeiten her.

  1. Hallo Nina
    Da willst du dem Leser wohl ein X für ein U vormachen!
    Ja, wie hiess denn nur diese „Glücksrad“ Spielshow? Na, Nina?
    http://de.wikipedia.org/wiki/Glücksrad_(Spielshow)
    Genau!🙂

    Gibt doch auch diesen türkischen Witz dazu.
    Frei auf deutsch übersetzt:
    „Ich kaufe ein Ü“. PLING – PLING – PLING – PLING – PLING – PLING – …

  2. Süß. Da lacht sich der Drucker eins. Unsereins besitzt tonnenweise echte Buchstaben, aus Blei und Holz. Aber so riesig wie dieses Beton(?)-A sind sie nicht. Der größte Type-Dealer ist Georg Kraus: http://www.bleisetzer.de

  3. bobsmile: Ogott. Hiess das wirklich Glücksrad? Wie peinlich.🙂

    Martin Z. Schröder: Das stimmt schon – ich bin definitiv in die Generation hineingeboren, wo Buchstaben zunächst als etwas Immaterielles gedacht werden. Auch wenn ich das selber irgendwie traurig finde.
    Aber einzelne «A»s kaufen Drucker auch nicht regelmässig, oder?🙂
    Auf bleisetzer.de habe ich übrigens zum ersten Mal die Industria entdeckt, die ich nun digital nachempfinden möchte. Allerdings scheint er die Typen selbst nicht mehr zu haben, er bietet sie jedenfalls nicht zum Verkauf an. Schade, ich hätte sie mir glatt gekauft (was allerdings mässig originell gewesen wäre, da sie für mich nur ein Liebhaberobjekt, für andere jedoch Arbeitsmittel sind).

  4. Der letzte Defektenkauf (Defekte sind im Bleisatz keine kaputten Lettern, sondern Ersatzbuchstaben) liegt etwa vier Jahre zurück. Ich kaufte von der Bauerschen Gießerei in Barcelona eine Zeile „4“ der Futura in 6p mager. Die fehlten in einem Kasten, den ich von einer Setzerei übernommen hatte. Warum — keine Ahnung.

  5. Spannend! Wieder was gelernt. Den Begriff «Defekte» kannte ich so nicht. Danke für die Erklärung!

  6. Das ist aber nur in einer Sammlung nutzlosen Wissens zu gebrauchen, fürchte ich. Es gibt nur noch eine Gießerei in Westeuropa (Stempel, Frankfurt), deren Technik schon im Museum (Darmstadt) steht und dort nur noch zwei Herren, die das verstünden, wenn man Defekte bestellen wollte. Wenn ich dran denke, schaue ich morgen mal ins Schriftsetzer-Handbuch nach der Erklärung. Defekte sind, das noch zur Sammlung nutzlosen Wissens hinzufügend, immer teurer gewesen als komplette Schriftlieferungen, also der Kilopreis. Weil der Gießer für ein paar Lettern seine Maschine umbauen mußte. Wenn man Defekte bestellte, sandte man ein n und ein m an die Gießerei, damit die Schriftlinie angepaßt werden konnte. Sonst konnte man Schriften bekommen, die minimal zu hoch oder zu niedrig auf dem Kegel standen. Ich hab beispielsweise mehrere Kästen mit gleichen Schriften aus einer Gießerei, aber ich kann sie nicht in einen Kasten legen, weil die Schriftlinie nicht stimmt. Ob es jemals eine Renaissance des Bleisatzes geben wird und dieses Wissen doch noch zur Anwendung kommt? Man weiß nie mit der Zukunft. Womöglich trifft man eines Tages auch ein Heffalump in seiner Küche.

  7. 9 Uhr ist ja manchmal auch nachmittags, baselbasiert.

  8. Jepp, das sind so die intelligenten Templates, die ein «p.m.» mit einem «nachmittags» gleichsetzen🙂.

    Und: ich liebe sog. nutzloses Wissen. Interessant, dass die Defekte dann wirklich neugegossen werden. Ich hätte mir vorgestellt, dass es (bereits bestehende) Altbestände gibt, die ebenfalls unvollständig sind, so dass sie der Vorbesitzer in Einzelteilen verkauft. Aber da hätte man wohl auch das Problem mit der Grundlinie? (Erinnert mich daran, was passiert, wenn man versucht, zweimal die gleichgefärbte Wolle zu kaufen: Wenn’s aus der nächsten Lieferung kommt, ist’s ein anderes Rot.)

  9. Oh, Defekte sind gar nicht so sehr teuer. Wenn man bedenkt, daß nur durch deren Ankauf ein Schriftschnitt erst komplettiert und damit einsetzbar wird.
    Die Preisberechnung unterliegt — wie so vieles in unserem Gewerbe — der Tradition:
    1 Zeile Defekte definiert sich über die Anzahl des bestellten Letters die auf eine Satzbreite von 24 Cicero (108 mm) in paßt. Die erste Zeile kostet 15,— Euro, bei Abnahme mehrerer Defekten-Zeilen (auch, wenn es sich dabei um Zeilen mit unterschiedlichen Typen handelt) verringert sich der Preis bis auf 10,— Euro pro Zeile.
    Bedenkt man nun, daß der Neuguss z.B. einer 10 p Helvetica rund 240,— Euro kostet und man hierfür 1/2 Minimum erhält, so lohnt es sich schon, zu fragen, ob die unvollständige Schrift von der Schriftgießerei Stempel stammt. Denn wie zuvor geschrieben: Nur diese Gießerei existiert noch. Nebenbei bemerkt: Wir sind Vertriebshändler für Stempel (ist diese Eigenwerbung erlaubt?)

    Zum Thema A:
    Vor ein, zwei Jahren bestellte eine Kundin aus Berlin bei uns eine Collage, bestehend aus unterschiedlichen Versal-A. Mich reizte damals die Vorgabe, die Collage als Miniatur anzulegen:
    http://www.bleisetzer.de/cms/front_content.php?idcat=55&idart=68

    Gott grüß die Kunst

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