visuell fixiert in basel

Nada Surf im Volkshaus: Sound ohne Tiefenschärfe

In basel, input on 26. Oktober 2008 at 14:58

Am Freitag war ich endlich mal wieder an einem Konzert.

An alle, die sagen, das iPhone kann keine guten Bilder machen, so!

Nada Surf haben im Volkshaus gespielt, und ich muss sagen, Spass gemacht hats. Ich kenne die Band eigentlich nur durch Moni (danke!), die mich diesmal auch mitgenommen hat. Die Sache nennt sich «College Rock» und tönt (wie Anne-Catherine treffend bemerkt) ein bisschen wie die amerikanische Version von Britpop. Amipop? Anyway: Mehrmals habe ich mich an das Coldplay-Konzert erinnert gefühlt, das ich vor, öh, zwei Jahren oder so in Dresden gesehen habe: Das rockt, das fetzt, dann wirds wieder ruhiger, dann fetzts wieder. Handwerklich echt gut gemacht, gute Harmonien, gute Rhythmen (wenn auch immer wieder ein bisschen dieselben), und irgendwie lässt es einen jenseits der oberflächlichen Basisreflexe (Beat im Bauch = Tanzen; ruhige Melodie = Feuerzeug rauskramen) kalt. Also mich.

Ein Highlight war das Lied «The Fox», das ich vorher noch nicht kannte, da es auf der neuen CD drauf ist, die ich ausgeliehen bekommen und in der Folge vernuuscht habe: Für mich ein Highlight, für die meisten vermutlich gar nicht (und grade drum). Da geht es nicht etwa um das rote Tier, das Gänse stiehlt, sondern um den amerikanischen Newssender, «very damaging to the U.S. and, by proxy, to the whole world», in den Worten des Nada-Surf-Sängers, dessen Namen ich jetzt nicht googeln gehe. Ein Lied, das sich unterscheidet vom üblichen Groove der Band: ein fast meditativer Rhythmus, eine schwerer greifbare Melodie, eine fast schon schwermütige Spannung, hinter der man eine sich ankündigende Schlagzeugexplosion vermutet, die dann doch nicht folgt, also auch mal: gebrochene Erwartungen. Spannend. Aber das Schönste dran war eigentlich, dass der Sänger, dessen Namen ich jetzt doch nachgeschaut habe und der Matthew Caws heisst, in seiner Anmoderation offen den Support der Band für Obama kundgetan hat, wovon ich leider nur den halben Satz gehört habe, weil ich dann sehr laut schreien musste.🙂

Irgendwie schade ist: Wenn ich das Lied jetzt höre, finde ich es auch nicht mehr sooo wahnsinnig speziell. Im ganzen fehlt mir bei solcher Musik der direkte Draht nach innen. Wenn ich Radiohead höre, Archive oder Sigur Rós oder diverses anderes – also jetzt nicht parallel zum Arbeiten, sondern wenn ich ernsthaft Musik höre und vor allem an einem Konzert –, fasziniert mich vor allem dieser Moment: Das Gefühl, die da haben was zu sagen, und das versteht zwar mein Hirn nicht ganz, aber mein Bauch weiss irgendwie: das hat was mit mir zu tun. Wenn Musik ganz persönlich wird.

Ausserdem muss ich immer an dieses Zitat des Sängers von The National denken:

… it’s the songs that take us more time to fall in love with that end up on the record. The ones that are immediate we usually get bored with pretty quickly.

Das lässt so ein bisschen den «Quälprozess» erahnen, den ich selbst immer wieder bei der «kreativen» Arbeit erlebe, das Ringen, das Kämpfen, das Suchen, die Überzeugung zu scheitern, die Enttäuschung, wenn etwas für gut Gehaltenes nicht funktioniert, die Erlösung, wenn es das doch tut. Wahrscheinlich liegt da der Hase gleich mitsamt dem Fuchs im Pfeffer: Nada Surf nehme ich solche Prozesse irgendwie nicht ab. Und I suspect I’d get bored with it pretty quickly.

Ist mir dann mit Coldplay übrigens auch passiert.

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