visuell fixiert in basel

Der Type-in-Motion-Knoten

In comp, input on 10. März 2009 at 15:12

Immer wieder ein heisses Feld: Können wir Text angenehm lesen, wenn er sich bewegt? Oder andersherum: Wie muss sich Text bewegen, damit er lesbar bleibt? Text und Animation: Eine Hassliebe oder «nur» eine Art moderner Gordischer Knoten?

Ich gebe gleich zu: Ich liebe Typografie, ich habe Multimediadesign studiert, aber ich bin kein grosser Fan von «Type in Motion». Meistens ist mir dabei zuviel New-Media-Hype im Spiel und zuwenig Beschäftigung damit (und/oder Interesse dafür), wie wir eigentlich lesen, was Text ist, wie er aufgenommen wird («ein weites Feld» in der Tat!). Darüber könnte man natürlich ganze Bücher schreiben, was ich hier jetzt nicht tue, sondern als hoffentlich interessante Anregung auf zwei Beispiele hinweise – für mich ein Pro- und ein Antibeispiel.

Eines meiner Lieblingsbeispiele für animierten Text ist der YouTube-Trailer zu einem Buch (an sich schon interessant: Videowerbung für Bücher), «Dinge geregelt kriegen» von Kathrin Passig und Sascha Lobo (Regie: Marko Thorhauer, Motion Design: Aslan Malik, Agentur: iRead Media).

Auszusetzen habe ich daran typografisch gesehen nur die gelegentlich fehlenden/umschriebenen Umlaute und die falschen Versal-Eszetts. Man muss aber anmerken, dass sich das gut gemachte, angenehm animierte und erst noch ziemlich amüsante Filmchen auch nicht ganz optimal liest, wenn man den Test macht, den Ton abzuschalten. Der Text ist also doch mehr Illustration als primärer Träger des Inhalts.

Problematisch wird die Sache für mich eher bei «künstlerischem» Spielen mit Text als grafischem Element, wobei die Lesbarkeit vernachlässigt wird – so etwa bei diesen durchaus spannenden und visuell nicht reizlosen iPhone-Experimenten (ich muss verlinken, Vimeo kann man hier glaub ich leider nicht direkt einbetten):

babeltower

Ganz ehrlich? Mir wirds da schwindlig. Vielleicht bin ich altmodisch, aber irgendwie glaube ich daran, dass das Lesen seine eigenen Gesetze hat, die man nicht einfach so mit dem Kunstargument abtun kann. Es können durchaus spannende Sachen entstehen, wenn das «alte», in unserer Wahrnehmung so tief verankerte und komplexe Phänomen des Lesens auf die Möglichkeiten der neuen Medien trifft. Schade finde ich nur, wenn so etwas Spannendes und Gehaltvolles wie das Medium Text als grafische Erscheinung, als «Grauwert» be- (miss-) handelt wird und seine eigenen Gesetze nicht gesehen werden.

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