visuell fixiert in basel

Actionpainting auf dem Balkon

In output on 5. April 2009 at 15:28

Ist doch mal ein anderer Titel als «Neue Drucksachen»! Dabei geht es genau darum: Neue Drucksachen habe ich vorgestern von der Druckerei bekommen, Plakate und Flyer für eine Tagung:

opfer_1

«Ästhetik des Opfers»: Kein einfaches Thema. Es geht übrigens – auf Deutsch ist das Wort ja auch noch so schön doppelsinnig – nicht um Menschen, die Opfer von Gewalt, Krieg etc. werden (victima), sondern um religiöse Opferrituale (sacrificia). Wie visualisiert man das möglichst allgemein, d.h. ohne konkrete Anspielungen auf einzelne Kulturkreise? Das Opferlamm flog raus, Opferschalen und -altäre auch, Kreuze sowieso, auch Hünengräber und Dolmen.

Was aber könnte universaler sein als Blut? Als konkretes Zeichen wie auch als kraftvolle Metapher vermag der Blutfleck eine Menge von «Konkretheitsstufen» abzudecken – und seine Reihung deutet auf die Institutionalisierung, die Repetitivität, die Ritualhaftigkeit des Opferritus hin.

opfer_2

Alles klar?🙂 Spass gemacht hats vor allem. Nicht nur das konzeptionelle Hirnen (inkl. Recherche in der Unibibliothek), sondern vor allem auch die Umsetzung (notabene grösstenteils im Zustand akuter Grippe und Bronchitis). Fotografiert habe ich das Motiv nämlich selber, Blut auf Marmor, ich meine: Randensaft auf Balkontisch.

Himbeersirup war zu hell, Tinte zu unabwaschbar, Cassis-Saft zu violett, Preiselbeernektar viel zu hell, Tomatensaft zu fizzelig und Tropicana-Blutorangensaft viel zu gut, um ihn nicht selber zu trinken. Ja, es war Recherche involviert!

Natürlich musste ich die ganze Chose zweimal fotografieren, einmal roh für den Entwurf und dann nochmal «ernsthaft», für Grössen bis DIN A2. Für letzteres sieht man hier den Versuchsaufbau – mit dem Entwurf zum Abgucken.

opfer_making

Was auch wieder besonders viel Freude gemacht hat, war die Typografie. Bei diesem Projekt habe ich zwei meiner liebsten Schriften überhaupt kombinieren können, und zwar für Titeleien die grossartige FF Legato von Evert Bloemsma, für den Lauftext die noch nicht einmal veröffentlichte Patria von Hrant Papazian. Die beiden sind sehr unterschiedlich – die Legato eher experimentell-ruhig, in der Struktur fast ein wenig lyrisch, schwebend, singend; die Patria scharf, ernsthaft, stabil. Beide neu, beide originell und spannend, beide ursprünglich aus der digitalen Gestaltung entstanden. Ich finde, sie tun einander gut.

opfer_typo

opfer-3

  1. Gute Arbeit. Immer wieder spannend, wieviel arbeit hinter einen „kleinen“ Flyer stecken kann. Aber bei dir merkt man die Leidenschaft daran. Der Auftraggeber war hoffentlich erfreut über das Ergebnis.

  2. Dankeschön! Ich gebe zu, sowas mache ich auch mit am liebsten, wo man sich wirklich überlegen kann/soll/muss, was man macht und wie…
    Ja, der Auftraggeber war sehr glücklich (und ein bisschen aufgeregt, da solche Uni-Marketingsachen sonst ja eher langweiliger sind). Offenbar wurden die Plakate und Flyer auch während der Tagung selbst immer wieder thematisiert.

  3. Wau – hier denkt noch jemand an mich? *schäm*
    Jetzt war ich wirklich grad im Urlaub. Aber eigentlich bin ich wieder da.
    Ich glaub, morgen sag ich mal wieder was hier…

  4. Hab auf flickr grad gesehen, das du mit in mexico warst. wow.. wie wars?

  5. Mhm, ja, das Licht ist noch an, aber es ist niemand da. Schade. Dann komme ich irgendwann später nochmal vorbei.😉

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