visuell fixiert in basel

Archive for the ‘output’ Category

400 Ampersands für Haiti

In output on 21. März 2010 at 22:01

Dieses hier wollt ich dann doch noch ankündigen:

Als ein etwas anderer Weg, Hilfsgelder für die Opfer des katastrophalen Erdbebens in Haiti zu sammeln, haben sich Hunderte von Designern weltweit ehrenamtlich an einem gemeinsamen Schriftprojekt beteiligt: einem Font, der ausschliesslich aus «Et»-Zeichen besteht. Unter dem Titel «Coming Together» ist diese wunderbar eklektische Sammlung nun bei MyFonts, FontShop, Veer und Ascender Fonts zu haben. Der gesamte Erlös aus dem Verkauf geht an Ärzte ohne Grenzen für deren Hilfseinsatz in Haiti. Ich bin stolz, Teil dieser Aktion zu sein: Das einigermassen eigentümliche schwarze Et-Zeichen in der obigen Darstellung ist meins.

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Actionpainting auf dem Balkon

In output on 5. April 2009 at 15:28

Ist doch mal ein anderer Titel als «Neue Drucksachen»! Dabei geht es genau darum: Neue Drucksachen habe ich vorgestern von der Druckerei bekommen, Plakate und Flyer für eine Tagung:

opfer_1

«Ästhetik des Opfers»: Kein einfaches Thema. Es geht übrigens – auf Deutsch ist das Wort ja auch noch so schön doppelsinnig – nicht um Menschen, die Opfer von Gewalt, Krieg etc. werden (victima), sondern um religiöse Opferrituale (sacrificia). Wie visualisiert man das möglichst allgemein, d.h. ohne konkrete Anspielungen auf einzelne Kulturkreise? Das Opferlamm flog raus, Opferschalen und -altäre auch, Kreuze sowieso, auch Hünengräber und Dolmen.

Was aber könnte universaler sein als Blut? Als konkretes Zeichen wie auch als kraftvolle Metapher vermag der Blutfleck eine Menge von «Konkretheitsstufen» abzudecken – und seine Reihung deutet auf die Institutionalisierung, die Repetitivität, die Ritualhaftigkeit des Opferritus hin.

opfer_2

Alles klar? 🙂 Spass gemacht hats vor allem. Nicht nur das konzeptionelle Hirnen (inkl. Recherche in der Unibibliothek), sondern vor allem auch die Umsetzung (notabene grösstenteils im Zustand akuter Grippe und Bronchitis). Fotografiert habe ich das Motiv nämlich selber, Blut auf Marmor, ich meine: Randensaft auf Balkontisch.

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Im Zeitloch entschwunden

In output on 16. März 2009 at 05:18

ernestine-nachtschicht

Wenn Stunden keine Rolle mehr spielen, sondern nur das Glücksgefühl, im 1000-Einheiten-Raster, in dem jeder Buchstabe steht, genau die richtige Position für einen Punkt gefunden zu haben, und wenn dabei Buchstaben herauskommen, denen man nicht ansieht, wie schwer es war, jeden Punkt dahin zu bekommen, wo er hin muss, sondern die einfach «stehen» –

Typedesign ist grossartig. (Auch solange die Punkte noch am falschen Ort sind.)

🙂

Sonett für eine Schrift

In output on 15. Februar 2009 at 18:50

ninastoessinger_fflegato_2

Valentype ist ein schöner Wettbewerb. Zum Valentinstag liess FontShop schriftverliebte Menschen ihre Liebe zu einer Schrift aus der FontFont- (oder OurType-) Bibliothek erklären – als Bild, als Text, als Gedicht, wie auch immer – und als erster Preis winken vier Schnitte von exakt dieser Schrift. Was soll ich sagen, ich konnt mich nicht bremsen, die Legato liebe ich wirklich in epischer Breite und Tiefe.

Man könnte das auch humoristischer illustrieren, natürlich.

ninastoessinger_fflegato

Alle bisherigen Eingaben können in dieser Galerie betrachtet werden; die vom letzten Jahr sind hier zu sehen. Und wenn mir jemand ein bisschen die Daumen drücken mag, freut mich das auch! 🙂

Bald blüht 2009 …

In blog, output on 19. Dezember 2008 at 12:36

Wunderbare Festtage und einen Superrutsch ins 2009 an alle sehsucht-Leser! Und Innen!

2009karte

Hiermit verabschiede ich mich für ein paar Tage – nach Weihnachten bin ich wieder da. Wer Lust hat und wirklich Langeweile, kann ja mal raten, welche Schriften da in den Schneeflocken stecken … 🙂

Geniesst es, haut rein und esst alle Schokolade, die Ihr finden könnt!

Defiance of the Week

In output on 14. November 2008 at 00:03

Obwohl mir die Arbeit im Moment dermassen bis über sämtliche Ohren steht, dass ich kaum dazu komme, diesen Blog hier wahrzunehmen (sorry!), habe ich gestern spontan am «Type Battle» auf Typophile teilgenommen. Oder genau deswegen: Es ging nämlich um defiance. Herausforderung, Missachtung, Trotz. To remain defiant: nicht aufgeben. Yeah.

1. Draw the letters in the word ‚defiant‘ where the stem width is 1/2 the x-height.
2. Extra points for creating an fi ligature.
Winner take all, no holds barred. May the best designer win.

Irgendwie schein ich im Moment eine Serifenbetonten-Fixierung zu haben, jedenfalls ist es wieder einmal eine Slab geworden, in Minuskeln und Small Caps.

defiant_nina

defiant_caps_2

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Umfrage: Die Detailentscheidung der Woche

In output on 2. November 2008 at 22:50

Wieder mal was aus dem NDK Schriftgestaltung in Zürich. Kleines Update zu meinem Projekt, das sich von einer Serifenlosendigitalisierung schon zur Serifenbetontengestaltung entwickelt hat:

Ich fange an, über Details nachzudenken, die gerade bei einer Schrift so viel ausmachen, was den Charakter angeht. Am Samstag habe ich – ausgehend vom Grundmodell, das basically daraus bestand, Serifen an die bestehenden Formen anzukleben – folgende Varianten entwickelt (nis war zu meinen journalistischen Zeiten jeweils mein Kürzel, übrigens):

… das ist alles ursprünglich in ca. 6cm Versalhöhe mit Bleistift und Tusche auf Transparentpapier gezeichnet, dann kopiert und zusammengeklebt (und danach wieder kopiert in verschiedene Grössen – seit Jahren nicht mehr so viel mit Fotokopierern zu tun gehabt!).

Im Moment geht es um die Findung der allgemeinen Formensprache. Das sind noch lange keine Reinzeichnungen, also wurschtlige Kurven wie beim zweituntersten s sowie schiefe Klebungen bitte ignorieren. Ich würde gerne wissen, was Ihr denkt, liebe Leser und Innen. Nicht im Hinblick darauf, dass ich dann das Mehrheitsfähigste weiterverfolge, denn einen Favoriten habe ich schon; aber es würde mich wundernehmen, was wie wirkt. Vielleicht entsteht ja eine kleine Diskussion?

Wochenrückblick

In input, output on 19. Oktober 2008 at 23:50

Zur Entschuldigung fürs lange Nichtposten – und zur Feier des hundertsten Posts (!) – hier die sehsucht-Highlights der Woche im Überblick!

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Der vorwurfsvolle Blick der Woche

Morgens um acht im Zug nach Zürich aufgegessen zu werden, würde mir auch nicht gefallen, zugegeben.

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Die Gebäudebeschriftung der Woche

Kann mir jemand sagen, was das jetzt ist?

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… als wär da nichts als Himmel

In output on 17. September 2008 at 15:11

Ich bin zu spät dran. Dieses Jahr ist es mir zum ersten Mal passiert, dass mir am Morgen des 11. Septembers nicht die ganze Geschichte wieder durch den Kopf jagte. Vor sieben Jahren war das das einzige, das mir durch den Kopf jagte. Das zeigt dieser Text; ich habe ihn 2001 geschrieben in einer kleinen Wohnung in Williamsburg, Brooklyn, New York.

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Es ist Nacht in Manhattan, Wochen nach dem Tag Null. Mit Musik in den Kopfhörern lasse ich mich treiben durch die Stadt, die niemals schläft. Das Two Dollar! Two Dollar! des Strassenhändlers an der 14. Strasse gilt nicht mehr Sportsocken und Strickpullis, sondern Bergen von amerikanischen Flaggen, rotweissblauen Schleifchen, Ansteckknöpfen und T-Shirts, auf denen Evil will be punished steht oder Never forget the World Trade Center. Und das Reiterdenkmal auf dem Union Square ist jetzt wieder grau und sauber, nachdem es kurzfristig zum Antikriegsmahnmal umfunktioniert worden war, LOVE LOVE LOVE LOVE LOVE LOVE LOVE war mit bunter Kreide auf den Sockel geschrieben und auf die Stirn des Pferdes PRAY.

I just want her back, hat ein Mann im Fernsehen gesagt und ein Foto von seiner Frau der Linse entgegengestreckt. I just want her back! Schnitt. Und dann fliegt wieder das Flugzeug in den Büroturm. Es kommt von links ins Bild, jedesmal, und fliegt einfach geradeaus nach rechts, als wär da nichts, aber da ist ein Wolkenkratzer. Zu allen Zeiten ist das zu sehen und auf allen Kanälen, als unaufhaltsame Endlosschleife, in mein Hirn hat es sich längst eingebrannt, aber glauben kann ich es noch immer nicht, dass das Flugzeug nicht bremst.

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