visuell fixiert in basel

Posts Tagged ‘bleisatz’

Emoticons anno 1881

In input on 7. November 2008 at 21:40

Emoticons sollen eine Erfindung des Internetzeitalters sein? Von wegen. Brian Cronin von Comic Book Resources hat diese aus typographischem Material zusammengebastelten Smilies in einem 127 Jahre (!) alten «Puck Magazine» entdeckt:

Keppler, Puck Magazine, 1881Recht haben sie, die Setzer, mit ihrem Trotz! Das Satzmaterial erlaubt es ja zumindest theoretisch, viel mehr damit zusammenzusetzen als bloss Texte. Erinnert mich ein bisschen daran, dass ich als Kind die mechanische Schreibmaschine meiner Mutter liebte, weil ich damit ganz viele Männchen «zeichnen» konnte (aus einem o, einem O und einem “ – was hier nicht geht, mangels Halbzeilenschaltung).

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Glücksmoment mit Renaissance-Antiqua

In basel, input on 14. August 2008 at 22:30

Vorab möchte ich mich bei denjenigen Lesern entschuldigen, die mal wieder über was anderes als Buchstaben und Schriften lesen wollen – ich gebe zu, das häuft sich zur Zeit extrem, und gelobe: Es kommt auch wieder anderes.

Also.

Im Pharmaziehistorischen Museum Basel gibt es ein Exemplar von Andreas Vesals De Humani corporis fabrica, 1543 in Basel gedruckt. Normalerweise liegt das großformatige, dicke, mit Metallspangen verschließbare Buch hinter Glas, aufgeschlagen auf der opulenten Titelseite (man nimmt an, dass die Stiche in dem Buch von Tizian sind).

Aus-nahms-wei-se durfte ich heute in dem Werk blättern.

Grosser, grosser Glücksmoment. Ehrfurcht nahm mir fast den Atem. Was, und vielleicht bin ich da einfach ein Exot, (Tizian hin oder her) weniger an den (zugegeben großartigen) Stichen lag, sondern an der Typographie.

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Fundstück: «Industria-Grotesk»

In input on 7. August 2008 at 22:47

Diese wunderschöne Grotesk nennt sich «Industria» und wurde 1910 / 1913 von Hermann Zehnpfundt für die Schriftgiesserei Emil Gursch in Berlin gezeichnet bzw. geschnitten – es ist eine Bleisatz-Type, die es in digitaler Form noch nicht gibt. Wäre einen Digitalisierungsversuch wert – ich überleg mirs ernsthaft, mich daran zu versuchen. Sollte es dazu kommen, werde ich natürlich hier darüber berichten.

Neben der hier gezeigten Halbfetten gibt es eine Fette, einen normalen Lauftextschnitt sowie eine «Zarte». Ach, ich könnte schwärmen. 😉 Und manchmal würde ich mich gerne monatelang in Buchdruckereien und Schriftmagazinen einschliessen: Was es da wohl noch für Schätze gibt, die bisher nicht ins digitale Zeitalter herüberportiert wurden …