visuell fixiert in basel

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Last Minute Election Graphics

In input on 4. November 2008 at 21:15

Die New York Times empfiehlt, ab 19 Uhr EST mit Popcorn vor dem Fernseher zu sitzen. Da es hier dann quasi schon morgen ist und ich unmöglich bis dann Popcorn essen kann, hier – sozusagen auf den letzten Drücker vor der grossen Entscheidung – ein kleiner Einblick in die teils wirklich beeindruckende Grafik, die ein Wahlkampf in den U. S. of A. mit sich bringen kann. (Man stelle sich so etwas Hochkarätiges hier vor. Aber eben – man stelle sich so etwas Hochkarätiges wie Obama hier vor.)

freedumb1

laut lesen.

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Von Ironiezeichen und Interrobangs

In input on 2. Oktober 2008 at 22:04

Satzzeichen: Punkt, Komma, Doppelpunkt, Semikolon, Ausrufezeichen, Fragezeichen. Kennen wir alle. Dann vielleicht noch Gedanken- und Schrägstriche und den Hochpunkt. Dass es aber auf der freien Wildbahn der Satzzeichen auch ziemlich exotische Kreaturen gibt, die man nur selten zu Gesicht bekommt, wissen die wenigsten. Sozusagen das

bis vor kurzem unbekannte Säugetier

der Orthotypografie.

Begeben wir uns also auf eine kleine Entdeckungsreise, liebe Kinder, anlässlich des gestrigen National Punctuation Day (ehrlich!). Pro specie rara typographica, sozusagen. (Via: Fontblog, FontFeed.)

Das da links wäre also das vielleicht bekannteste der exotischen Zeichen: das Interrobang. Sieht irgendwie aus wie zwei unterschiedliche Tiere zusammengepappt, und das ist es auch: als einzelnes Zeichen soll es die Kombination «!?» ablösen und so, laut Wikipedia,

am Ende einer Frage […] zeigen, dass sie erregt oder ungläubig gestellt wird.

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«Swissness» im Plakatdesign

In basel, input on 1. Oktober 2008 at 10:18

Edgar Küng / Michael Wolgensinger, 1969

Zu empfehlen für die Mittagspause oder sonst für eine halbe Stunde zwischendurch: Die Bibliothek für Gestaltung Basel und die Basler Plakatsammlung zeigen noch bis zum 25. Oktober «Swissness: Möbel, Mode, Markenprodukte in Plakat und Buch». Wie üblich ist die Ausstellung sehr klein, aber durchaus fein und ausserdem gratis.

Dabei kommen die im Titel als ebenbürtig angekündigten Bücher für meinen Geschmack präsentationsbedingt (wohl gezwungenermassen) zu kurz, da hinter Glas und so nicht wirklich anschaubar. Die Schweizer Werbeplakate aber – nicht nur aus der klassischen Hoch-Zeit der «Schweizer Grafik», sondern breit gefächert von den 20er- bis in die 90er-Jahre – sind schon sehr spannend. Ich frage mich immer, ob man unsere heutige Werbung in 50 Jahren auch als so lustig und so «Zeitgeist-enttarnend» empfinden wird. (Zeitgeistenttarnend ist die aus den 90er-Jahren ja auch schon, aber für mich nicht lustig. Eher blöd.)

Vor allem auch das typographische Auge kommt wieder mal auf seine Kosten.

Hans Handschin, 1936

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Liebe Kinder, aufgepasst!

In input on 29. September 2008 at 22:01

Aus der Welt der komischen Bürokratismen und Statistiken kommt wohl diese Feuerzeugverpackung (Denner):

85% kindergesichert? (Ich frage jetzt nicht mal, ob das zwischen dem child und dem resistant so eine böse Leerschlag-Bindestrich-Leerschlag-Kombination ist.) – Im Ernst, was heisst das? Nur 85% aller Kinder bräteln sich die Finger damit ab? Und warum schaut das Kind dann ganz unglücklich und nicht wenigstens zu 85% glücklich? Warum sind nicht 20 Kinder darauf und nur 3 sind traurig? Und warum hat das arme Wesen eine dreieckige Nase? Und ist das Moritz (von Max und) oder Tintin, oder was ist mit der Frisur? Stehen dem von der sengenden Hitze etwa schon die Haare zu Berge? Oder kann man das Kind da so an die Wand hängen, wenn es einem allzu unglücklich dreinschaut?

Fragen über Fragen. Man beachte den Unterschied in der Expressivität des Gesichtchens zwischen dem obigen bemühten Versuch und diesem eigentümlich faszinierenden Warnungsaufkleber auf einem Kochherd in Tokyo, 2005. ACHTUNG, HEISS! Dafür muss man weder Japanisch lesen können noch die Information haben, welcher Prozentsatz der Leute sich die Finger verbrennen wird, im Durchschnitt, ohne Schaltjahre und wenn kein Vollmond ist.

Deutschfehler richtig gemacht

In basel, input on 25. September 2008 at 18:16

Efeu gibts da

Hier in der Migros arbeiten viele Elsässer. Und Innen. Und wenn man «Efeuille» französisch ausspricht, tönt das genau wie «Efeu». Grossartig, oder? Leider geht es nicht wirklich so, aber der Fehler ist total nachvollziehbar (und das Wort sieht lustig aus).

Da spürt man doch den Charme des Fremdsprachlers, der sich aus Versehen verschreibt, obwohl er sich das ganz logisch überlegt hat (und einem damit auch undidaktisch die Komplexität und Willkürlichkeit der eigenen Sprache vor Augen hält) – genau den Effekt also, den die doofe Mastro-Lorenzo-Werbung gestern erzielen wollte, aber dran vorbeigemurkst hat.

Fazit: Wollt Ihr Deutschfehler, dann lasst Nichtmuttersprachler texten!

Des Mastro Lorenzo und dem Deutsch

In input on 24. September 2008 at 21:19

«Ich liebe jedem seiner Stärken»: Soll das jetzt so ein Italiener-können-Kaffee-aber-kein-Deutsch-Ding sein wie das mit dem «Isch ‚abe gar keine Auto»? Andere fragen sich das auch. Und 20 Minuten bestätigt die schreckliche Vermutung («Christa rettet dem Dativ») und sieht Christa Rigozzi damit auf «Verona-Feldbusch-Niveau». Was auch schon falsch ist, die Gute heisst ja schon gar nicht mehr Feldbusch, sondern Pooth, was ich wiederum, der Gerechtigkeit halber sei es zugegeben, nicht aussprechen kann.

20 Minuten zitiert dann auch die ungenannt bleibende PR-Agentur:

Das Sprachspiel soll den italienischen Charme unterstreichen.

Sprachspiel? Spiel? Wo?

Ich finde das ehrlich gesagt ein deutlich bemühtes Falschdeutsch und den «Witz» damit misslungen. Es ist schon ein sehr kreativer grammatikalischer Fehler, aber ein konstruierter, der damit niemals so lustig ist (und niemals so kreativ) wie wirklich passierte Fehler. Ein Fehler, auf den bestimmt nur Leute kommen, die perfekt Deutsch sprechen und sich dann irgendwie angestrengt Fehler ausdenken, die andere vielleicht machen könnten, die nicht wissen, wie’s geht. Auf «jeden» hätte man ja kommen können, das wär nur ein falsches Genus. Aber ein falsches Genus und einen falschen Kasus? Da käme doch keiner auf die Idee, aus Versehen einen solchen Fehler zu machen. Vor allem weil «seiner Stärken» dann wieder perfekt ist.

Auf mich wirkt das höchst konstruiert und irgendwo auch ein wenig problematisch. Ich meine, auf «hier werden Sie geholfen» kommen bestimmt auch Deutsch-Muttersprachler von selber, und Verona P. nahm ich den auch höchstpersönlich ab. Auch den mit dem «isch abe keine Auto» fand ich irgendwie sympathisch, sowas hat man ja realiter auch mal so ähnlich gehört. Aber unsere Sprache so willkürlich zu vermurksen, wie es wohl keiner tun würde, der sich darum bemüht … Ist das jetzt nicht auch irgendwie condescending? Das mit dem «italienischen Charme» hat da für mich so einen unangenehm gönnerhaften, leicht herablassenden Beigeschmack. Ein bisschen ungut, so wie aufgewärmter Kaffee.

(Danke für den Tipp, Sophie!)

Die feinen Details in den Zeichen

In input on 24. September 2008 at 00:08

Nachdem ich jetzt doch eine Weile und mit einigen Hebeln in Bewegung – aber ergebnislos – versucht habe, herauszufinden, ob es so etwas wie die Industria schon in digitaler Form gibt, bin ich gerade etwas erschrocken, als ich die Presicav fand:

Die Proportionen, die konstruierten Versalien, der Schwung des «a» besonders in der Fetten, so vom Schriftbild her hat mich die Gute sofort an die Industria erinnert. Natürlich gibt es viele breite Linearantiquas nach frühem Vorbild, aber diese schien mir auf den ersten Blick schon sehr nah dran.

Auf den zweiten Blick stelle ich fest: Sie ist es nicht, auf keinen Fall, sie ist zu glatt, zu gefällig, die charakteristischen Formen stimmen nicht überein. Und: Es ist nicht nur das «Bild» auf den ersten Blick, das letztendlich über den Charakter einer Schrift entscheidet; es sind auch, und gerade, die feinen Details in den Zeichen. Und ich sehe mich fest.

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Der Simultankontrast des Tages

In basel, input on 11. September 2008 at 09:29

Die mit dem Nuschelschild lesen offensichtlich sehsucht. Jetzt lassen sie jemand anders schreiben, der nicht nuschelt, sondern  brüllt, und das auch noch formal vollendet. Es lebe der Simultankontrast!

La Suisse n’existe pas

In input on 9. September 2008 at 14:46

… das haben manche ja schon lange gesagt, aber jetzt wissen wirs endlich, dank Google!

(Was mit Österreich passiert ist, ist deren Problem.)

Aus dem Launch-Comic von Chrome:

Via baz.

Ein Nuschelschild

In basel, input on 8. September 2008 at 23:55

Was beklagt man sich nicht gern über die marktschreierische Natur der Werbung, die uns umgibt. Um so faszinierender ist es, einem Schild zu begegnen wie diesem, das auf ein vorproduziertes Schreien hin («rivella!!!!!!!») nur noch ein stream-of-consciousness-mässiges Nuscheln von sich zu geben vermag:

Man hat den Eindruck, die wollen gar nicht so gern anpreisen, was sie alles haben. Bei den «Schinkengipfeli», da war noch etwas Selbstvertrauen da. Aber das «Menu zum mitnehmen»? Das ist nicht nur klein geschrieben, es ist dazu auch noch sehr klein geschrieben, if you know what I mean. Auch der Flamenkuchen ist interessant – eine belgische Variation des elsässischen Klassikers vielleicht? – Es macht einem fast ein schlechtes Gewissen, die Schreibfehler überhaupt zu sehen, wenn sich da jemand schon so offensichtlich zum Schreiben gezwungen hat. Am liebsten würd ich drunterschreiben: Hey! I’m OK – you’re OK. Und der «Pizza-        Lauch + Pouletstrudel» ist sicher echt gut. Nein, wirklich. Was auch immer das ist.