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Posts Tagged ‘typo’

Von Ironiezeichen und Interrobangs

In input on 2. Oktober 2008 at 22:04

Satzzeichen: Punkt, Komma, Doppelpunkt, Semikolon, Ausrufezeichen, Fragezeichen. Kennen wir alle. Dann vielleicht noch Gedanken- und Schrägstriche und den Hochpunkt. Dass es aber auf der freien Wildbahn der Satzzeichen auch ziemlich exotische Kreaturen gibt, die man nur selten zu Gesicht bekommt, wissen die wenigsten. Sozusagen das

bis vor kurzem unbekannte Säugetier

der Orthotypografie.

Begeben wir uns also auf eine kleine Entdeckungsreise, liebe Kinder, anlässlich des gestrigen National Punctuation Day (ehrlich!). Pro specie rara typographica, sozusagen. (Via: Fontblog, FontFeed.)

Das da links wäre also das vielleicht bekannteste der exotischen Zeichen: das Interrobang. Sieht irgendwie aus wie zwei unterschiedliche Tiere zusammengepappt, und das ist es auch: als einzelnes Zeichen soll es die Kombination «!?» ablösen und so, laut Wikipedia,

am Ende einer Frage […] zeigen, dass sie erregt oder ungläubig gestellt wird.

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Zürich, PANOSE, Herr Zehnpfundt und ich

In input on 19. September 2008 at 22:00

Gerade mal ein halbes Jahr habe ich es geschafft, keinen Studi-Ausweis zu haben. Ab heute darf ich endlich wieder günstiger ins Museum! Aber das Beste ist: Ich lerne Schriftgestaltung. Yes! Ein jahrelanger Traum wird weitaus schneller wahr, als ich es für möglich gehalten hätte. Denn seit kurzem muss man nicht mehr nach England oder Holland, um ein Nachdiplomstudium in Type Design zu machen, das geht jetzt auch berufsbegleitend in Zürich. Dankeschön! Auch an die Leute von slanted: Nur dank diesem Post hab ich von dem Kurs überhaupt erfahren.

Heute war der erste Tag, der einigermassen aufregend verlief; am Morgen führte uns Hans Jürg Hunziker sanft, vielschichtig und wortreich ins Thema ein, dann gab es eine ausgiebige Vorstellungsrunde (dass ich von Basel pendle, wurde bestaunt – aber einer fährt von Frankfurt hin und her!) und am Nachmittag warf uns Bruno Maag als Gastredner fortgeschrittene Details der technischen Schriftenproduktion um die Ohren (ich weiss jetzt, was PANOSE heisst); das war wohl eher für die Studis im zweiten Jahr gedacht. Aber ein guter Ausblick drauf, was man jetzt da alles auch lernen kann.

Mein Kurs geht ein Jahr, das heisst zwei Semester, das heisst eigentlich neun Monate, und am Ende derselbigen soll dann eine Schrift da sein, eine eigene, «mit allen Gross- und Kleinbuchstaben, Satz- und Sonderzeichen», aber um es mit Bruno Maag zu sagen: «Macht immer mindestens Latin-A Extended», das muss! Wenn ich schon eine Schrift mache, soll sie auch tschechisch und isländisch können. Sag ich jetzt mal. Fragt mich dann später wieder ;-). Jedenfalls weiss ich (glaub ich) auch schon, was ich als Projekt mache, ausser es redet mir jemand aus irgendeinem glaubhaften Grund aus.

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Zeit-Bilder

In output on 17. September 2008 at 11:26

Gleich bei zwei Projekten habe ich es gerade mit der Zeit als Thematik zu tun. Schwierig zu visualisieren ist das sowieso; spannend finde ich auch, wie festgefahren vorgeprägte «Zeit-Bilder» in welchen Bereichen sind.

Das eine Projekt ist ein Programm-Icon / Logo für ein Zeitmanagement-Tool; darüber in Kürze mehr, dazu gibts noch nicht viel zu erzählen, ausser dass irgendwie alle Zeitmanagement-Tools eine Uhr im Logo haben. Echt. Bei meiner kurzen Recherche warens deutlich über 90 Prozent. Es wird noch spannend, zu entscheiden, ob wir auch eine Uhr machen oder bewusst etwas anderes –

Kein Logo, sondern eine Illustration (und ein Layout) waren beim anderen «Zeit»-Projekt gefragt. Die MinD-Akademie (grossartiges Event, dieses Jahr schaff ichs leider nicht) findet Anfang Oktober in Nürnberg statt und steht unter dem Leitthema «Zeit»; ich habe dafür den Abstractband gesetzt. Mit Cover.

Während ich das Cover letztes Jahr, damals zum Thema «Kreativität und Innovation», unter heftigem Zeitdruck mit einem doch sehr offensichtlichen und «cleanen» Stockfoto illustriert habe (Glühbirne), hatte ich diesmal das dringende Bedürfnis, wegzukommen von den evidentesten Motiven wie Uhren, Sanduhren, abgeblätterten Oberflächen, verwelkten Blumen etc. sowie geschniegelten Agenturbildern und kam dann auf dieses Motiv:

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Heute frisch:

In basel, input on 5. September 2008 at 10:48

… ein Neu MonatssanDwic(l)! Maisbrötli mit Käse.

Bäckereieninfoschild

Pardon: gefüllt mit Kase. Und so.

Glücksmoment mit Renaissance-Antiqua

In basel, input on 14. August 2008 at 22:30

Vorab möchte ich mich bei denjenigen Lesern entschuldigen, die mal wieder über was anderes als Buchstaben und Schriften lesen wollen – ich gebe zu, das häuft sich zur Zeit extrem, und gelobe: Es kommt auch wieder anderes.

Also.

Im Pharmaziehistorischen Museum Basel gibt es ein Exemplar von Andreas Vesals De Humani corporis fabrica, 1543 in Basel gedruckt. Normalerweise liegt das großformatige, dicke, mit Metallspangen verschließbare Buch hinter Glas, aufgeschlagen auf der opulenten Titelseite (man nimmt an, dass die Stiche in dem Buch von Tizian sind).

Aus-nahms-wei-se durfte ich heute in dem Werk blättern.

Grosser, grosser Glücksmoment. Ehrfurcht nahm mir fast den Atem. Was, und vielleicht bin ich da einfach ein Exot, (Tizian hin oder her) weniger an den (zugegeben großartigen) Stichen lag, sondern an der Typographie.

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Anatomische Typographie

In input on 8. August 2008 at 12:16

Soviel zum Thema «Skelettformen der Buchstaben»! Ein schönes Projekt von Björn Johansson, gefunden via I Love Typography / Streetanatomy.

Die schöne Verwendung sinnentfremdeter anatomischer Formen ist gleichzeitig eine gute Erinnerung an die Animatus-Ausstellung von Hyungkoo Lee, die ich immer noch nicht gesehen habe, die aber sehr schön sein soll. Aber ein Momentli geht sie ja noch, bis am 31. August nämlich.

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Schrift im Raum, die Zweite

In input on 7. August 2008 at 23:43

Ich hatte das preisgekrönte Projekt der gewissermassen «in den Raum projizierten» Schriftzüge von Viktoria Kirjuchina von der UdK Berlin ja für sehr neu gehalten. War natürlich Blödsinn, und ich revidiere diese Meinung jetzt. (Hey, man lernt nie aus!)

Der Fontblog berichtet über ein solchermassen umgesetztes Parkleitsystem in Melbourne (mit dem wunderschönen Wort «Illusionstypographie» im Titel):

»Typo-Wegweiser« @ Nerdcore

»Typo-Wegweiser« @ Nerdcore

Sieht zugegebenermassen geil aus. Ob eine überraschende Beschriftung, die nur aus einem Winkel wirklich betrachtbar ist und eine Fläche vortäuscht, wo keine ist, jetzt wirklich so sinnfällig ist für ein Leitsystem in einem Parkhaus, sei einmal dahingestellt. Denn alles kein Problem: Man muss sich bloss an die richtige Stelle stellen, dann kann mans auch lesen, so siehts zumindest der Designer.

In Melbourne I developed a way-finding-system for the Eureka Tower Carpark. The distor[t]ed letters on the wall can be read perfectly when standing at the right position.
(Axel Peemöller, via Nerdcore)

Neu ist das übrigens auch nicht: Es gibt zahlreiche Beispiele für dieses Prinzip …

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Fundstück: «Industria-Grotesk»

In input on 7. August 2008 at 22:47

Diese wunderschöne Grotesk nennt sich «Industria» und wurde 1910 / 1913 von Hermann Zehnpfundt für die Schriftgiesserei Emil Gursch in Berlin gezeichnet bzw. geschnitten – es ist eine Bleisatz-Type, die es in digitaler Form noch nicht gibt. Wäre einen Digitalisierungsversuch wert – ich überleg mirs ernsthaft, mich daran zu versuchen. Sollte es dazu kommen, werde ich natürlich hier darüber berichten.

Neben der hier gezeigten Halbfetten gibt es eine Fette, einen normalen Lauftextschnitt sowie eine «Zarte». Ach, ich könnte schwärmen. 😉 Und manchmal würde ich mich gerne monatelang in Buchdruckereien und Schriftmagazinen einschliessen: Was es da wohl noch für Schätze gibt, die bisher nicht ins digitale Zeitalter herüberportiert wurden …

(Un-)sinnige Segmentanzeigen

In input on 31. Juli 2008 at 11:04

Der Fontblog zeigt ein wunderschönes Beispiel «doppelt gefügter Zeichen»: Eine Tankstellenanlage mit einer LED-Anzeige, die so tut, als sei sie eine LCD-Segmentanzeige. Obwohl man mit den kleinen Leuchtdioden ja auch eine «richtige» Schrift hätte annähern können, entschied man sich also ohne technischen Zwang für die eckig-technischen LCD-Formen. [Link]

Dabei finde ich die folgende Bemerkung aus den Kommentaren höchst spannend – als Argument für den Segment-Look und gegen die Nachahmung einer Druckschrift:

Man hat ja als Erwartungshaltung dass sich die Preise ständig ändern (können). Wenn das dann aussieht als wären sie festgeschrieben, kommt mir das zumindest komisch vor.

Schon spannend: Die aktuelle Wahrnehmung gefügter Zeichen sagt: Das ist ein Zeichen, das sich ständig ändern kann. Das am Puls der Zeit ist. Das nicht gestaltet ist und schön, sondern «nackte» Information. Wie bei den Joghurtbechern: Das Logo ist schick gestaltet und bunt, aber das Wichtigste, nämlich das Ablaufdatum, steht tagesaktuell und hässlich grob gepixelt drauf.

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Deine Tastatur, das unbekannte Wesen

In basel, input on 27. Juli 2008 at 00:12

I. Entgegen einer weit verbreiteten Meinung braucht man auch zur Ausverkaufszeit nicht zu wissen, dass es eine Taste namens «%» gibt. Schliesslich handelt es sich hier um den grossen Oh/Oh-SONDERVERKAuF. (Was ist mit dem U?)

II. Ebenfalls entgegen einer weit verbreiteten Meinung gibt es Tastaturen, da sind zwar «ü»s drauf, aber keine «ö»s. Yep.

II b. Frage ohne Bild in Anschluss an II.: Warum gibt es Leute, die «Ö» am Wortanfang als «Oe» schreiben, den Umlaut im Wort (also als Minuskel) aber durchaus verwenden? Lieblingsbeispiel, leider nicht fotografiert: «Oelöfen». Würd mich mal wundernehmen, ob es für sowas einen Grund gibt oder ob es sich einfach um Inkonsequenz im Sinne von II. handelt.

III [Meta]. Es gibt tatsächlich Leute, denen sowas bei jeder Gelegenheit als seltsam aufstösst. Mich zum Beispiel. Das wiederum ist vermutlich auch seltsam. Aber eine Berufskrankheit. 🙂