visuell fixiert in basel

Posts Tagged ‘schrift’

400 Ampersands für Haiti

In output on 21. März 2010 at 22:01

Dieses hier wollt ich dann doch noch ankündigen:

Als ein etwas anderer Weg, Hilfsgelder für die Opfer des katastrophalen Erdbebens in Haiti zu sammeln, haben sich Hunderte von Designern weltweit ehrenamtlich an einem gemeinsamen Schriftprojekt beteiligt: einem Font, der ausschliesslich aus «Et»-Zeichen besteht. Unter dem Titel «Coming Together» ist diese wunderbar eklektische Sammlung nun bei MyFonts, FontShop, Veer und Ascender Fonts zu haben. Der gesamte Erlös aus dem Verkauf geht an Ärzte ohne Grenzen für deren Hilfseinsatz in Haiti. Ich bin stolz, Teil dieser Aktion zu sein: Das einigermassen eigentümliche schwarze Et-Zeichen in der obigen Darstellung ist meins.

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Sonett für eine Schrift

In output on 15. Februar 2009 at 18:50

ninastoessinger_fflegato_2

Valentype ist ein schöner Wettbewerb. Zum Valentinstag liess FontShop schriftverliebte Menschen ihre Liebe zu einer Schrift aus der FontFont- (oder OurType-) Bibliothek erklären – als Bild, als Text, als Gedicht, wie auch immer – und als erster Preis winken vier Schnitte von exakt dieser Schrift. Was soll ich sagen, ich konnt mich nicht bremsen, die Legato liebe ich wirklich in epischer Breite und Tiefe.

Man könnte das auch humoristischer illustrieren, natürlich.

ninastoessinger_fflegato

Alle bisherigen Eingaben können in dieser Galerie betrachtet werden; die vom letzten Jahr sind hier zu sehen. Und wenn mir jemand ein bisschen die Daumen drücken mag, freut mich das auch! 🙂

Schriftsehsucht on Tour

In input on 11. Oktober 2008 at 22:57

Ich war gerade in Mainz und Bonn. Das Ziel: Das Originalschriftmuster der Industria in der Bibliothek des Gutenbergmuseums zu scannen. Damit war das Thema, der Filter gesetzt. Unterwegs habe ich irgendwann festgestellt, dass ich in diesen mir neuen Städten ausschliesslich Schriftzüge fotografiert habe. Neue Städte begeistern mich immer auf der Schrift-Ebene, schon nur die Strassenschilder machen mich glücklich, bannen meinen Schritt, so dass ich alle paar Meter meine Tasche nach der Kamera umgraben muss.

Wenn das mal keine liebevolle ff-Ligatur ist!

(Ist das ein T oder ein F?)

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Von Ironiezeichen und Interrobangs

In input on 2. Oktober 2008 at 22:04

Satzzeichen: Punkt, Komma, Doppelpunkt, Semikolon, Ausrufezeichen, Fragezeichen. Kennen wir alle. Dann vielleicht noch Gedanken- und Schrägstriche und den Hochpunkt. Dass es aber auf der freien Wildbahn der Satzzeichen auch ziemlich exotische Kreaturen gibt, die man nur selten zu Gesicht bekommt, wissen die wenigsten. Sozusagen das

bis vor kurzem unbekannte Säugetier

der Orthotypografie.

Begeben wir uns also auf eine kleine Entdeckungsreise, liebe Kinder, anlässlich des gestrigen National Punctuation Day (ehrlich!). Pro specie rara typographica, sozusagen. (Via: Fontblog, FontFeed.)

Das da links wäre also das vielleicht bekannteste der exotischen Zeichen: das Interrobang. Sieht irgendwie aus wie zwei unterschiedliche Tiere zusammengepappt, und das ist es auch: als einzelnes Zeichen soll es die Kombination «!?» ablösen und so, laut Wikipedia,

am Ende einer Frage […] zeigen, dass sie erregt oder ungläubig gestellt wird.

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Die feinen Details in den Zeichen

In input on 24. September 2008 at 00:08

Nachdem ich jetzt doch eine Weile und mit einigen Hebeln in Bewegung – aber ergebnislos – versucht habe, herauszufinden, ob es so etwas wie die Industria schon in digitaler Form gibt, bin ich gerade etwas erschrocken, als ich die Presicav fand:

Die Proportionen, die konstruierten Versalien, der Schwung des «a» besonders in der Fetten, so vom Schriftbild her hat mich die Gute sofort an die Industria erinnert. Natürlich gibt es viele breite Linearantiquas nach frühem Vorbild, aber diese schien mir auf den ersten Blick schon sehr nah dran.

Auf den zweiten Blick stelle ich fest: Sie ist es nicht, auf keinen Fall, sie ist zu glatt, zu gefällig, die charakteristischen Formen stimmen nicht überein. Und: Es ist nicht nur das «Bild» auf den ersten Blick, das letztendlich über den Charakter einer Schrift entscheidet; es sind auch, und gerade, die feinen Details in den Zeichen. Und ich sehe mich fest.

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Zürich, PANOSE, Herr Zehnpfundt und ich

In input on 19. September 2008 at 22:00

Gerade mal ein halbes Jahr habe ich es geschafft, keinen Studi-Ausweis zu haben. Ab heute darf ich endlich wieder günstiger ins Museum! Aber das Beste ist: Ich lerne Schriftgestaltung. Yes! Ein jahrelanger Traum wird weitaus schneller wahr, als ich es für möglich gehalten hätte. Denn seit kurzem muss man nicht mehr nach England oder Holland, um ein Nachdiplomstudium in Type Design zu machen, das geht jetzt auch berufsbegleitend in Zürich. Dankeschön! Auch an die Leute von slanted: Nur dank diesem Post hab ich von dem Kurs überhaupt erfahren.

Heute war der erste Tag, der einigermassen aufregend verlief; am Morgen führte uns Hans Jürg Hunziker sanft, vielschichtig und wortreich ins Thema ein, dann gab es eine ausgiebige Vorstellungsrunde (dass ich von Basel pendle, wurde bestaunt – aber einer fährt von Frankfurt hin und her!) und am Nachmittag warf uns Bruno Maag als Gastredner fortgeschrittene Details der technischen Schriftenproduktion um die Ohren (ich weiss jetzt, was PANOSE heisst); das war wohl eher für die Studis im zweiten Jahr gedacht. Aber ein guter Ausblick drauf, was man jetzt da alles auch lernen kann.

Mein Kurs geht ein Jahr, das heisst zwei Semester, das heisst eigentlich neun Monate, und am Ende derselbigen soll dann eine Schrift da sein, eine eigene, «mit allen Gross- und Kleinbuchstaben, Satz- und Sonderzeichen», aber um es mit Bruno Maag zu sagen: «Macht immer mindestens Latin-A Extended», das muss! Wenn ich schon eine Schrift mache, soll sie auch tschechisch und isländisch können. Sag ich jetzt mal. Fragt mich dann später wieder ;-). Jedenfalls weiss ich (glaub ich) auch schon, was ich als Projekt mache, ausser es redet mir jemand aus irgendeinem glaubhaften Grund aus.

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Der Simultankontrast des Tages

In basel, input on 11. September 2008 at 09:29

Die mit dem Nuschelschild lesen offensichtlich sehsucht. Jetzt lassen sie jemand anders schreiben, der nicht nuschelt, sondern  brüllt, und das auch noch formal vollendet. Es lebe der Simultankontrast!

Glücksmoment mit Renaissance-Antiqua

In basel, input on 14. August 2008 at 22:30

Vorab möchte ich mich bei denjenigen Lesern entschuldigen, die mal wieder über was anderes als Buchstaben und Schriften lesen wollen – ich gebe zu, das häuft sich zur Zeit extrem, und gelobe: Es kommt auch wieder anderes.

Also.

Im Pharmaziehistorischen Museum Basel gibt es ein Exemplar von Andreas Vesals De Humani corporis fabrica, 1543 in Basel gedruckt. Normalerweise liegt das großformatige, dicke, mit Metallspangen verschließbare Buch hinter Glas, aufgeschlagen auf der opulenten Titelseite (man nimmt an, dass die Stiche in dem Buch von Tizian sind).

Aus-nahms-wei-se durfte ich heute in dem Werk blättern.

Grosser, grosser Glücksmoment. Ehrfurcht nahm mir fast den Atem. Was, und vielleicht bin ich da einfach ein Exot, (Tizian hin oder her) weniger an den (zugegeben großartigen) Stichen lag, sondern an der Typographie.

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Schrift im Raum, die Zweite

In input on 7. August 2008 at 23:43

Ich hatte das preisgekrönte Projekt der gewissermassen «in den Raum projizierten» Schriftzüge von Viktoria Kirjuchina von der UdK Berlin ja für sehr neu gehalten. War natürlich Blödsinn, und ich revidiere diese Meinung jetzt. (Hey, man lernt nie aus!)

Der Fontblog berichtet über ein solchermassen umgesetztes Parkleitsystem in Melbourne (mit dem wunderschönen Wort «Illusionstypographie» im Titel):

»Typo-Wegweiser« @ Nerdcore

»Typo-Wegweiser« @ Nerdcore

Sieht zugegebenermassen geil aus. Ob eine überraschende Beschriftung, die nur aus einem Winkel wirklich betrachtbar ist und eine Fläche vortäuscht, wo keine ist, jetzt wirklich so sinnfällig ist für ein Leitsystem in einem Parkhaus, sei einmal dahingestellt. Denn alles kein Problem: Man muss sich bloss an die richtige Stelle stellen, dann kann mans auch lesen, so siehts zumindest der Designer.

In Melbourne I developed a way-finding-system for the Eureka Tower Carpark. The distor[t]ed letters on the wall can be read perfectly when standing at the right position.
(Axel Peemöller, via Nerdcore)

Neu ist das übrigens auch nicht: Es gibt zahlreiche Beispiele für dieses Prinzip …

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Fundstück: «Industria-Grotesk»

In input on 7. August 2008 at 22:47

Diese wunderschöne Grotesk nennt sich «Industria» und wurde 1910 / 1913 von Hermann Zehnpfundt für die Schriftgiesserei Emil Gursch in Berlin gezeichnet bzw. geschnitten – es ist eine Bleisatz-Type, die es in digitaler Form noch nicht gibt. Wäre einen Digitalisierungsversuch wert – ich überleg mirs ernsthaft, mich daran zu versuchen. Sollte es dazu kommen, werde ich natürlich hier darüber berichten.

Neben der hier gezeigten Halbfetten gibt es eine Fette, einen normalen Lauftextschnitt sowie eine «Zarte». Ach, ich könnte schwärmen. 😉 Und manchmal würde ich mich gerne monatelang in Buchdruckereien und Schriftmagazinen einschliessen: Was es da wohl noch für Schätze gibt, die bisher nicht ins digitale Zeitalter herüberportiert wurden …